Doku-Reportage: Der Kampf um freie Flächen

"planet e." geht der Frage nach, wie und wo in Zukunft neuer Wohnraum entstehen soll. Bleibt das Grün in den Städten auf der Strecke? Oder werden immer mehr landwirtschaftlich nötige Flächen geopfert?

 

Ende 2020 sollte der Flächenverbrauch bei 30 Hektar pro Tag gestoppt werden. Ziel verfehlt. Dabei hatte Rot-Grün in der nationalen Nachhaltigkeits-Strategie schon 2002 festgelegt, den täglichen Landschaftsverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Nachverdichtung ist eine kluge Alternative: weniger Quadratmeter für mehr Menschen. Damit soll der Landschaftsfraß gestoppt werden. Doch noch immer gehen jeden Tag 56 Hektar Natur verloren.

Auch die geplante Neubausiedlung Oberbillwerder ist ein Thema.

Hier sind insgesamt ca. 165 Hektar (inkl. anbindender Infrastruktur) Kulturlandschaft von der endgültigen Zerstörung bedroht. Es gibt viel Natur inkl. zahlreicher seltener Tierarten, auch auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Fläche hätte eine Dimension von ungefähr 230 Fußballfeldern. 

 

Im TV-Programm:

ZDF, 05.07.2020, 16:30 -17:00 Uhr

 

Video verfügbar

ab 03.07.2020

Oberbillwerder zerstört Natur
Sandaufschüttung - der langsame Tod einer Landschaft


18.6.20 Bürgerbegehren angenommen

Die Bergedorfer Bezirksversammlung hat auf Antrag der CDU mit den Stimmen der Opposition und bei Enthaltung der Koalition (SPD, Grüne, FDP) das Bürgerbegehren "Vier- und Marschlande erhalten!" angenommen. Die Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V. nimmt dazu wie folgt Stellung:

 

Direkte Demokratie sollte von der Politik ernst genommen werden. Das bedeutet auch, dass nicht durch Enthaltung der  Mehrheit  die heuchlerische Übernahme eines Bürgerbegehrens erzwungen wird. Die Dorfgemeinschaft Billwärder meint: Die Koalition in Bergedorf hat vermutlich nicht die Absicht dem Bürgerbegehren ernsthaft zu folgen, sondern will mit der Übernahme lediglich einen Bürgerentscheid verhindern und damit weiter

verbergen, dass es eine große Mehrheit gegen die Bebauung

Oberbillwerders gibt. Dieses Vorgehen ist nicht nur der Gipfel der

Heuchelei, vielmehr fügt es der direkten Demokratie schwersten Schaden zu.

 

Andererseits steht Herr Dornquast in der Verantwortung, diesen Auftrag der Bezirksversammlung auch ernst zu nehmen und sein politisches Talent zu beweisen, indem er beim Senat wirklich etwas für Bergedorf bewirkt.

 

Wir sehen Herrn Dornquast nunmehr  in der Pflicht zu zeigen, wie er sich beim Senat für den Erhalt der Kulturlandschaft Oberbillwerders einsetzen wird. Ein einfaches Schreiben reicht dafür bei weitem nicht aus. Letztlich kann nur ein deutlicher Erfolg für den Erhalt der Kulturlandschaft nachweisen, dass die Koalition und Herr Dornquast das Bürgerbegehren ernst genommen haben.

 

 

Der Vorgang zeigt aber auch, dass die Koalition mutmaßlich Angst vor einem Bürgerentscheid hat. Sie gibt damit offen zu, dass Sie diesen nicht hätte gewinnen können. Die Dorfgemeinschaft Billwerder wird weiter alles versuchen, um die Kulturlandschaft in Billwerder zu retten. Dazu schließen wir weitere Bürgerbegehren nicht aus. Ganz sicher aber werden wir mit allen rechtlichen Mitteln gegen den Bebauungsplan vorgehen.

Hierfür bietet bereits der derzeitige Stand der Planungen reichlich Ansätze.

 

Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.

--

[Anmerkung: Arne Dornquast (SPD) ist der Leiter vom Bezirksamt Bergedorf]



Zerstörungsplan für Billwerder

12.06.2020 - Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Mit dieser Übersicht zu fünf geplanten Flächen wird deutlich, wie gewaltig diese für den Stadtteil (das Dorf!) Billwerder sein werden. Gestern bekam eine Vertretung der Dorfgemeinschaft Redezeit im Bergedorfer Stadtentwicklungsausschuss. Unsere Standpunkte zum Bürgebegehren wurden sehr ausführlich vorgetragen. Der Ausschuss fand coronabedingt  unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 

Download
Plan inkl. Verlinkungen (rechte Spalte)
Fünf weitere Flächen für die geplante Zerstörung von Billwerder
Karte_Zerstoerung_Kulturlandschaft_Billw
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Weiterer Zeitplan für unser Bügerbegehren

Das Bürgerbegehren ist zustande gekommen - wie geht es weiter?Aus der Drucksache 21-0408 / Bezirksversammlung Bergedorf (Hauptausschuss, 4.6.2020)  - Zustandekommen des Bürgerbegehrens "Vier- und Marschlande erhalten" - kann man den weiteren Zeitplan im Umgang mit unserem Anliegen ersehen.

 

Am Ende der Drucksache steht der Beschluss-Vorschlag:

1.) Die Bezirksversammlung nimmt das Zustandekommen des Bürgerbegehrens zur Kenntnis.

     

2.) Die Initiative erhält gem. § 7 Abs. 2 BezAbstDurchfG in der Sitzung des Stadtplanungsausschusses am 11.06.2020 die Gelegenheit, ihr Anliegen zu erläutern. Der Bezirksversammlung wird entsprechend berichtet.

3.) Die Bezirksversammlung entscheidet spätestens in der Sitzung am 18.6.2020 darüber, ob sie dem Anliegen des Bürgerbegehrens zustimmt oder Verhandlungen mit der Initiative aufnehmen möchte. 

4.) Die Bezirksversammlung entscheidet spätestens in der Sitzung des Hauptausschusses am 16.7.2020 darüber,

-  ob es eine Gegenvorlage der Bezirksversammlung gem. § 7 Abs. 4 BezAbstDurchfG geben soll,

-  ob es eine gemeinsame oder eine nach Fraktionen getrennte Stellungnahme für die Informationsbroschüre geben soll, und

-  wie der Text einer solchen im Falle einer gemeinsamen Stellungnahme lauten soll.

 

 

NEU: 18.6.2020

Bei 3.) war dann Schluss: Die Bezirksversammlung Bergedorf hat am 18. Juni 2020 das Bürgerbegehren angenommen. Was wir dazu meinen, lesen Sie oben im Beitrag "Bürgerbegehren angenommen".

 

 


Storch Oberbillwerder
Noch gibt es Störche in Billwerder.



Gegen Oberbillwerder

Hamburgs geplanter 105. Stadtteil im Modell


Für Grünflächenerhalt

Kulturlandschaft in Billwerder heute



Zum dritten Male soll die Fläche Oberbillwerder Hamburger Wohnungsprobleme lösen


§ 1 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes verlangt, dass Flächen im Innenbereich recycelt und zur Wohnraumgewinnung genutzt werden statt Landschaftsflächen im Außenbereich in Anspruch zu nehmen. Dass an solchen Orten lebendige Quartiere entstehen können, zeigen Hafencity, Neue-Mitte-Altona oder Sonninquartier in Hammerbrook. Und dies wird auch auf dem Kleinen Grasbrook funktionieren.

Was die Planung fragwürdig macht sind:

  • schlecht funktionierende Stadtteile im Umfeld
  • ein veralteter und störanfälliger ÖPNV
  • eine schwierige Straßenanbindung
  • ein kompliziert zu erschließender Marschbodenuntergrund
  • die für die Fahrradreichweite zu große Distanz
    zur Innenstadt

Auch zwölf Entwürfe rennomierterter Architekturbüros und der letztlich ausgewählte Masterplan konnten an dieser kritischen Ausgangslage des Plangebietes nichts verändern.

 

 

Da es keine Definition des „geschützten Kulturlandschaftsraumes Billwerder“ gibt, agiert die Stadt Hamburg als Eigentümerin der Fläche wie ein privater Investor und will maximal entwickeln. Zudem gilt die Fläche im Landschaftsplan als bereits bebaut. Daher greift die Unterschriftenaktion des NaBu „Hamburgs Grün erhalten“ hier nicht mehr. Aber es reicht nicht nur zu erhalten, was anderweitig geschützt ist. Der Kulturlandschaftsraum ist mehr nur als die besondere Bebauung entlang des Billwerder Billdeiches:

 

  • viele geschützte Denkmäler
  • der  Biotopenverbundkorridor
    im westlichen Teil von Oberbillwerder
  • die Grünflächen am Mittleren Landweg
    (geschützter Zweiter Grüner Ring)
  • die Landschaftsschutzgebiete
  • das Überschwemmungsgebiet der Bille

 


Arbeitsgemeinschaft
„Paradies Billwerder erhalten“
der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.
Billwerder Billdeich 241 · 21033 Hamburg